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Geschichte und Geschichten aus Reichenbach Willkommen Der Auerhahn balzte am Flugzeugwrack Horst Rapp sammelt neue Details Dorfgeschichte / Historisches / Übersicht Schier unerschöpflich scheint das Wissen von Horst Rapp aus Wersau über den Luftkampf der Amerikaner und den Deutschen über dem Odenwald im Zweiten Weltkrieg zu sein. Ein Teil seiner Kenntnisse und Anekdoten stellte er einem interessierten Publikum in Reichenbach auf Einladung des Verschönerungsvereins im Lautertaler Rathaus vor. Mit seinen Informationen gibt sich der Referent nicht zufrieden, da es noch einige Unklarheiten zu lösen gilt. Dazu sind derartige Informationsveranstaltungen sehr hilfreich, trifft er dabei doch Leute, Zeitzeugen, die oftmals gerade diese fehlenden Mosaiksteinchen beitragen können. Aufgegriffen wurde das Thema durch Veröffentlichungen über einen Flugzeugabsturz im April 1944 im Bergsträßer Anzeiger. Hierzu konnte Rapp nun weitere Details aus dem Publikum erfahren. Bei der Veranstaltung konnte der Referent fast minutiös genau schildern, was sich an diesem 13. April 1944 über dem Odenwald abspielte. Seine Darstellung drehte sich hauptsächlich um die Maschine Boeing B-17 "Rum Pot" von Pilot Clearence Stearns  und Mission Commander Lieutenant Joseph Bedsole. Die "Rum Pot" wurde bei dem mörderischen Luftkampf schließlich abgeschossen und zerschellte bei Reichelsheim. Stearns konnte mit dem Fallschirm abspringen und sich in Richtung Fürth davon machen. Sein Fallschirm wurde von Reichelsheimern "geborgen" und zu einem Hochzeitskleid verarbeitet. Stearns selbst konnte 1995 bei einem Besuch in Wersau über seine weitere Flucht berichten. Fast alle in der Odenwälder Region abgestürzten Maschinen kennt Rapp, die Namen der Besatzungen und deren Schicksale. Bei einigen fehlen jedoch noch Angaben, die er jetzt nach dem Abend in Reichenbach weiter ergänzen kann. So grausam diese Luftschlachten waren, blieb doch noch Raum für Anekdoten. So konnte Rapp von einem Landschaftsmaler berichten, der bedauerte, dass durch den Absturz eines B-17-Bombers auf den Balzplatz eines Auerhahns "dieses letzte noch lebende Kulturdenkmal unseres Odenwaldes vernichtet wurde". Wenig später konnte der Maler jedoch beobachten, dass der Auerhahn ganz in der Nähe des abgeschossenen Flugzeuges weiter der Balz nachging. Ziele dieser Angriffswelle am 13. April sollten Augsburg, Schweinfurt, Lechfeld und Oberpfaffenhofen mit ihren militärischen Industrie- und Forschungsanlagen sein. Dabei erlitten die amerikanischen Verbände erhebliche Verluste an Bombern, und eben einer dieser Bomber stürzte im Höllacker bei Reichenbach ab. Eine andere Maschine ging am Hohberg Richtung Elmshausen zu Boden. Auch über dieses Fluggerät wussten die Gäste einiges zu berichten, was sich Horst Rapp noch genauer notieren wird. Den größten Teil seiner Informationen sammelte Rapp in Amerika, wo er zahlreiche Luftfahrtmuseen besuchte und Kontakte zu den ehemaligen Fliegern aufnahm. Da die meisten Protokollbücher noch vorhanden sind, ließen sich die Ereignisse des 13. April sehr gut nachzeichnen. Die Belege von deutscher Seite seien wesentlich lückenhafter, bedauerte der Referent. In jüngster Zeit ist auch das Internet eine interessante Informationsquelle für ihn. Er konnte einen Teil der eingesetzten Flugzeuge mittels Dias vorführen, die er in den USA aufgenommen hatte. Original Wrackteile mit Einschusslöchern rundeten seinen Vortrag ab. Insgesamt, so beendete Rapp seine Ausführungen, führte die Materialüberlegenheit der Amerikaner zur Niederlage Deutschlands. Vieles funktionierte im Deutschen Reich nicht mehr. Mangelnde Flexibilität in der militärischen Leitung und Fehlentwicklungen bei neuen Flugzeugen führten schließlich das Ende herbei. Wer noch ergänzende Hinweise geben kann zu den Abstürzen am 13. April 1944 sowie am 17. August 1943 am Zehnes in Reichenbach und in einem Waldstück bei Schannenbach, sollte sich direkt an Horst Rapp wenden. (Telefon: 06161/2893) Walter Koepff Bergsträßer Anzeiger 04. Mai 2004