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Geschichte und Geschichten aus Reichenbach
Hochzeit früher
Dorfgeschichte / Historisches / Übersicht
Die Hochzeit war auch früher schon das größte Familienfest im Odenwald. Mit ihr verbunden waren allerlei Sitten und Bräuche, die sich aber nicht immer bis in die heutige Zeit erhalten haben.

Der Hochzeit voraus gingen früher „der Handschlag“ und „die Abred“. Beide entsprachen in ihrer äußeren Form der heutigen Verlobung, wie Richard Mathes im Reichenbacher Heimat- buch anmerkt. Mit ihnen wurden die rechtlichen Verpflichtungen der künftigen Ehegatten zueinander schriftlich festgelegt. Vom Schultheißen oder Schulmeister wurden Aussteuer, Heiratsgut und Barvermögen der Brautleute genau aufgezeichnet. Um der Feier eine kirchliche Weihe zu geben, war der Pfarrer anwesend. Nach der Erledigung des geschäftlichen Teils ging es in die Kirche, wo der Pfarrer einen „Hochzeits-Sermon“ hielt. Bei der folgenden Mahlzeit sprach er vor dem Essen „das Gebet“ und nachher „die Abdankung“. Dafür wurde der Pfarrer am ersten Tag zechfrei gehalten.

Zum „Handschlag“ wurden außer Pfarrer und Schultheiß noch die ganze Verwandtschaft der Brautleute eingeladen, Aufwärter und Spielleute kamen hinzu und es wurde ein richtiges Fest daraus, bei dem 100 Personen keine Seltenheit waren.









Heinz Eichhorn - 11.2006
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Die Hochzeit von Elise und Wilhelm Eßinger III.

1921 heirateten Elise Krichbaum und Wilhelm Eßinger und stellten sich im Falltorweg 13 mit ihren Angehörigen dem Fotografen. Mit auf dem Bild Bürgermeister Philipp Mink XIII., Lehrerin Barbara Reeh und Polizeidiener Karl Krichbaum.

Foto: Inge Kraft
Repro: VVR/Bertes



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Auf den „Handschlag“ folgte nach einiger Zeit die Hochzeit. Zuvor mussten die Brautleute beim Pfarrer erscheinen und eine Art Prüfung im Katechismus ablegen. Dann erfolgte an drei auf- einander folgenden Sonntagen die „Proclamation“ in der Kirche und erst danach die Hochzeit. Diese wurde im 17. Jahrhundert zuerst montags, später dienstags abgehalten. „Denn wann die Leute auf Montag sind zur Kirch gangen, haben sie das Vieh auf Sonntags zuvor gemetzelt und sich Sonntags auf die Hochzeit gerüstet, dadurch der Sabbat entheiligt worden“, hielt Pfarrer Martin Walther in der Reichenbacher Chronik fest.

Wenn die Räume des Hochzeitshauses nicht ausreichten, dann wurde früher in Reichenbach auch mal im Rathaus gefeiert. Dieses enthielt einen großen Saal, in dem allerlei Volksbelustigungen, Hochzeiten und Feste gefeiert wurden.

Die Hochzeit dauerte gewöhnlich drei Tage. Morgens gab es die „Bräutsuppen“, bestehend aus Hühnerbrühe mit viel Fleisch darin, eine Maß Wein und Brot. Es war Sitte, dass sich die Gäste die Suppe aus dem Hochzeitshause holten und sie daheim aßen. Nach der „Kopulation“ in der Kirche folgten das Mittag- und Abendessen. Eine Mahlzeit umfasste sieben bis acht Gänge oder „Trachten“ und dauerte drei bis vier Stunden, so dass also den ganzen Tag gegessen und getrunken wurde. Und das drei Tage lang.

Der damalige Brauch forderte, dass nicht nur die Gäste den Brautleuten, sondern auch umgekehrt die Brautleute den Gästen „Ehrengeschenke“ gaben. Als „Brautstück“ erwarteten die Gäste ein Hemd oder wenigstens ein Schnupftuch.

Um der Verschwendung bei Hochzeitsfesten Einhalt zu gebieten, wurde 1614 von der Herrschaft eine „Hochzeitsordnung“ erlassen. Darin wurde die Zahl der Gäste auf 40 begrenzt. Künftig durfte nur noch eineinhalb Tage gefeiert werden. Zudem wurde das „Bräutsuppenholen“ verboten, nicht mehr als sechs Gänge aufgetragen und für die Witwer und Witwen bestimmte Wartezeiten festgelegt. So musste ein Witwer ein halbes und eine Witwe ein dreiviertel Jahr bis zur Hochzeit warten. „Vergingen“ sich zwei Liebende schon vor der Hochzeit (die Frauen hatten dafür ein scharfes Auge und eine noch schärfere Zunge), so wurden sie zur Strafe beim Gottesdienst öffentlich vorgestellt und sofort getraut.

Nach den Aufzeichnungen des Heppenheimer Volkskundlers Heinrich Winter durfte eine schwangere Braut bei der Trauung keinen Kopfkranz tragen. Auch wurde das Aufgebot, das am Rathaus aushing, deswegen mitunter gesprießt. Nach Heinrich Winter war die Braut bei der Hochzeit schwarz gekleidet, trug einen Kopfkranz, vorher eine Art Schäppel, nämlich ein weißes Käppchen, das auf der einen Seite mit bunten Perlen besetzt war. In der Hand hielt sie einen Strauß, in späteren Jahren jedoch nicht mehr. Begleitet wurde sie von den Brautjungfern, damals Seitenmädchen genannt.

Der Hochzeitszug wurde mit einem Seil gehemmt, so dass sich der Hochzeiter mit dem Auswerfen von Münzen freikaufen musste. Der Braut folgte der Bräutigam, den zwei Zucht- oder Seitenknechte begleiteten. Es folgten die Trauzeugen und die Gäste. Auf dem Heimweg gang man paarweise. Während des Hochzeitszuges wurde geschossen.

Beim Hochzeitsmahl saß das Brautpaar nebeneinander. Es war üblich, der Braut den Hochzeitsschuh zu stehlen, der dann in Form einer Versteigerung zurück erworben werden musste. Schließlich kam auch die Köchin zu ihrem Recht, sie kam herein und heischte Gaben, weil sie sich angeblich die Schürze oder den Arm verbrannt hatte.

Sowohl im 17. als auch im 19. Jahrhundert war eine Hochzeit also nicht nur das größte Familienfest, sondern wohl auch das teuerste. Leisten konnten sich dieses nur begüterte Familien, in der Regel vermögende Bauern. Auch deshalb wurden die großen Hochzeiten der zurückliegenden Jahrhunderte auch als „Bauernhochzeiten“ bezeichnet.











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