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Geschichte und Geschichten aus Reichenbach
Hunrode
Ein Ort, der spurlos verschwunden ist
Dorfgeschichte / Historisches / Übersicht
So ganz vergessen wollten die Wanderer das eigentliche Ziel des Tages nicht, dass am 17.01.2010 wegen Regen und Tauwetter "nur" zum Schützenhaus führte. Dort referierte Gemeindevertretervorsitzende Heidi Adam anschaulich über die verschwundene Ansiedlung Hunrode, die die Wandergruppe auf ihrer Tour hinauf zum Hohberg in Richtung Jagdhütte Tempel in einer Mulde zum Hahnenbusch hin hatte suchen wollen. Ein leider aussichts- loses Unterfangen. Spuren, so Heidi Adam, hätte man nicht mehr finden können.

Der einstige Wohnplatz soll im 8. Jahrhundert aus einer Wildhube aus früher fränkischer Zeit hervorgegangen sein. Die Gründung des Dörfchens sei dann vor 1400 erfolgt, wie aus einer Lehensurkunde hervorgehe.
Immer wieder werden verschiedene Namen für das Örtchen genannt. So hieß es 1438 Humrode, 1443 Hunrode, 1514 Hanrodt Hagan, was so viel wie gehegter Wald bedeutet - und schließlich im Jahr 1653 findet man den Namen Hohenrode, der eine hoch gelegene Rodung beschreibt.

Selbstverständlich dürfe man sich bei dem verschwundenen Ort keine modernen Siedlungsformen vorstellen, sondern einfachste Behausungen, so Adam.

Erst später seien die Menschen dazu übergegangen, Steinfundamente mit daraufgesetzten Holzkonstruktionen zu verwenden.

Gesiedelt wurde dort, wo es Wasser gab, Wald für das Feuerholz und Schutz gegen wilde Tiere.

Da Karl der Große zunächst die Jagd- und Wildbannrechte nicht an das Kloster Lorsch geschenkt hatte, siedelte er gegen Wilderer einen Wildhüter an der Stelle des späteren Hunrode an.

In Hunrode soll es maximal vier bis sechs Hofreiten gegeben haben, 1477 wird noch von einem Haus berichtet. Allerdings benennt das älteste Kirchenzinsbuch 1479 ein Gewann "by dem Gotshuselin", das heißt, es muss eine Kapelle gegeben haben, die später abgebrochen und eventuell nach Reichenbach umgesiedelt wurde.

Noch für 1611 sind Zinsen vom Sattelhof Michel und Hans Gantzert belegt, die dokumentieren, dass dort keine Reichtümer erwirtschaftet wurden.

Dieser Hof muss als einziger übriggeblieben sein, denn nach 1514 wird Hunrode nicht mehr als Wohnplatz erwähnt. Als Gründe für das spurlose Verschwinden nannte Heidi Adam einmal den Bau der Straße durch das Lautertal. Hatte man zuvor wegen der sumpfigen Tallagen Wege meist auf die Höhenzüge verlegt, so wurden später die inzwischen gerodeten und trockengelegten Täler verkehrsmäßig erschlossen. Damit war Hunrode vom Verkehr abgeschnitten. Dass man keine Häuserreste mehr vorfinde, liege daran, dass man früher die wertvollen Materialien der Häuser wiederverwendete, das heißt, mit den Balken und den schon behauenen Steinen wurden an anderer Stelle neue Häuser gebaut.

Durch die veränderten Verkehrswege seien viele Ort im Odenwald verschwunden, wie auch Graulbach in Richtung Beedenkirchen. Das Örtchen Hohenstein habe sich noch etwas länger gehalten. Als Karl der Große 1012 dem Kloster Lorsch auch noch den Forst- und Wildbann schenkte, wurden erstmalig Reichenbach und Beedenkirchen in einer Urkunde
erwähnt.

So können die beiden Ortsteile von Lautertal 2012 ihr 1000-jähriges Bestehen feiern.


Text: Walter Koepff

Auszug aus: Bergsträßer Anzeiger vom 20. Januar 2010
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