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Geschichte und Geschichten aus Reichenbach
Lautertal wird hessisch
Dorfgeschichte / Historisches / Übersicht
Vor 200 Jahren wurde Lautertal hessisch. Der Wechsel vom Heidelberger Kurfürsten zum Darmstädter Großherzog im Jahre 1806 brachte als wichtigste Neuerung die Beendigung der Leibeigenschaft. Auch durfte die Bevölkerung ab 1821 ihre Bürgermeister wählen.
Heinz Eichhorn - 11.2006
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Die meisten Lautertaler Dörfer standen Jahrhunderte lang unter der Herrschaft der Pfalz- grafen. Verwaltet wurden sie vom Amt Lindenfels. Durch Tausch fielen Reichenbach, Hohenstein, Grauelbach, Hanrode, Lautern, Gadernheim und Raidelbach 1561 an Erbach und wurden Teil des Amtes Schönberg, dem auch Elmshausen und Wilmshausen ange- hörten.
Um 1800 jedoch mischte Napoleon mit seinen Feldzügen Europa auf und es entstanden neue Besitzverhältnisse und Verwaltungsstrukturen. Nach seinem Sieg in der Dreikaiser- schlacht bei Austerlitz schlossen die westdeutschen Fürsten mit ihm ein Bündnis (Rheinbund). Landgraf Ludwig X. von Hessen-Darmstadt wurde dafür mit Gebietszu- wachs südlich des Mains, unter anderem der Grafschaft Erbach, sowie dem Titel Großherzog belohnt.
Die Lautertaler Dörfer (ohne Beedenkirchen und die Höhengemeinden) hatten damals etwa 1.500 Einwohner, die in 190 Häusern lebten. In Reichenbach waren 592 Menschen in 68 Wohnhäusern untergebracht. Die genannten Orte gehörten alle zum evangelischen Kirchspiel Reichenbach.
Am 23. September 1806 traf im Schloss Schönberg die hessische Übernahmekommission zur Regelung aller verwaltungstechnischer Themen ein. Im Amtshaus wurden die hohen Beamten und die Pfarrer in die Pflicht genommen. Aus den Lautertaler Dörfern waren Pfarrer Johann Rudolf Pagenstecher, die Schultheißen Philipp Jost (Elmshausen), Philipp Bormuth (Reichenbach) und Peter Borger (Gadernheim), sowie Revierförster Überroth (Reichenbach) und Kasseneinnehmer Brehm (Raidelbach) dabei. Nach dem feierlichen Akt wurden die großherzoglichen Wappen und ein Aufruf an die Bevölkerung an den Rathäusern angeschlagen.
Der Schönberger Amtmann Weichsel musste für die hessische Regierung einen umfas- senden Bericht über die Beschaffenheit des Amtes erstellen. Den Jahreseinkünften von 70.000 Gulden stand damals eine Schuldenlast von 237.000 Gulden gegenüber. Eine Goldgrube war die Neuerwerbung des Großherzogs also auf keinen Fall. Als ärmste Orte bezeichnete Weichsel Zell, Schönberg und Reichenbach. Durch die unseligen Prozesse mit Bensheim um Weiderechte und den Felsbergwald seien diese Orte tief verschuldet.
Über Reichenbach vermerkte Weichsel: „Es hat die ausschweifendsten Bewohner, deren Unsittlichkeit sich nicht nur bisweilen nachts durch unziemliches Lärmen auf den Straßen, sondern auch durch zügellose Munterkeit und heimliches, hohes Spielen in den Wirtshäusern, nicht weniger auch durch unanständiges Drängen und Drücken in der Kirche während des Gottesdienstes geäußert hat“.
Als große, die Lautertaler Bevölkerung betreffende Maßnahme der neuen Landesherren, wurde 1811 die Leibeigenschaft abgeschafft. Seit der Frankenzeit galten die Menschen als persönliches Eigentum ihrer jeweiligen Landesherren. Deshalb wurden sie auch als „Hörige“ oder „arme Leute“ bezeichnet. Als Leibeigene waren sie abhängig von ihrem Herrn und teilweise rechtsunfähig. So konnte dieser ursprünglich entscheiden, ob seine „Hörigen“ heirateten oder nicht. Dieser Anachronismus passte nicht mehr in die Zeit.

Mit der Zeit ging Hessen-Darmstadt auch bei der Selbstverwaltung der Kommunen. So wurde in der neuen Gemeindeordnung vom 30. Juni 1821 festgelegt, dass die Ortsbürger von nun an ihr Dorfoberhaupt, einen Beigeordneten und eine gewisse Anzahl Gemeinderäte, letztere auf neun Jahre, wählen konnten. Stimmberechtigt waren allerdings nur unbescholtene männliche Ortsbürger über 25 Jahre. Frauen durften nicht wählen. Zum ersten Bürgermeister in Reichenbach wurde 1823 Nikolaus Helfrich gewählt, der dieses Amt sieben Jahre inne hatte. Auf die längste Amtszeit konnte Johannes Eßinger III. verweisen, der von 1875 bis 1911 dem Gemeinderat vorstand.
Nach dem Sturz Napoleons begann auch für die Menschen in Lautertal die ersehnte lange Friedenszeit. In ihr mussten allerdings die hohen Kriegsschulden abgetragen werden, was zu Preissteigerungen und teilweise zu Geldentwertungen führte. Die jungen Männer mussten nun einen langen Wehrdienst leisten, was zuvor in der Grafschaft Erbach nicht üblich war.
Die Bevölkerung nahm rasch zu, bis zum Jahre 1828 vermehrte sie sich um 50 Prozent. Die Folge waren Arbeitslosigkeit, Armut, keine Möglichkeit zur Familiengründung, folglich viele uneheliche Kinder.
Den Armen blieb als Ausweg nur die Auswanderung nach Nordamerika, die um 1830 mit voller Wucht einsetzte.
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