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Geschichte und Geschichten aus Reichenbach Vom Bader zum Friseur Friseur-Meisterprüfung-1934 Das Berufsbild des Baders und des Barbiers wurde in Reichenbach ab den 30er-Jahren zunehmend abgelöst. Als "Fachmänner für die Pflege des Kopfhaares und für die Gestaltung der Frisur" könnte man sie bezeichnen. Doch die meisten wählen den kürzeren, griffigen Namen: Die Rede ist vom Friseur. In Reichenbach gab es in den dreißiger Jahren in dieser Branche erstmals zwei Meisterbetriebe. Heute sind es drei, die waschen und tönen, schneiden und föhnen. Vor den Friseuren war das Berufsbild des Baders oder Barbiers  salonfähig. Ein hängendes Rasierbecken war das Zunftzeichen der Branche. Deren spätere Namensgebung entwickelte sich aus dem französischen friser, also kräusen. Die Bezeichnung "Friseuse" wurde schnell abwertend verstanden, konnte sich dadurch nicht lange halten und wurde durch Friseurin ersetzt. Erste Friseure in Reichenbach waren Jakob Baumunk und Ernst Mink. Baumunk, der vorher in Darmstadt gelernt hatte, legte 1934 seine Meisterprüfung ab und richtete seinen Laden "auf dem Berg" (Zehnesweg6) ein. An der Außenfassade hing das Zunftzeichen und Baumunk arbeitete wie damals alle seine Kollegen im weißen Kittel mit hellblauem Kragen. Die Haare gewaschen wurden im "Waschbecken mit Auflage". Der Kopf musste noch nach vorne gebeugt werden. Angewärmtes Wasser gab es schon früh aus der Brause. Doch für die sich noch entwickelnde Dauerwelle waren stundenlange Sitzungen unter schweren, unförmigen Hauben erforderlich. Für die Schönheit wurden jedoch schon damals große Opfer gebracht. Ernst Mink begann in einem Laden neben dem heutigen Gasthaus "Zum Grünen Baum". Später erwarb er das Anwesen gegenüber der Einmündung der Knodener Straße. Über eine steile Treppe gelangte man in den Herrensalon. An den beiden Friseurstühlen waren Papierrollen angebracht. Deren Papier wurde den Kunden zur Abdeckung um den Hals gelegt und mit einem Umhängetuch ergänzt. Die Tücher und alle übrigens Arbeitsmittel wurden natürlich schon damals regelmäßig gereinigt und desinfiziert. Überhaupt wurde auf die Sauberkeit penibel geachtet. Auch in Minks Damensalon wurden in den Anfangsjahren weitgehend die 1906 von Karl Nessler erfundene Dauerwelle gedreht. Da sowohl Baumunk als auch Mink ausbildungsberechtigt waren, wurden besonders in den Nachkriegsjahren zahlreiche Lehrlinge beschäftigt. Die meisten Männer wanderten in der Zeit des Wirtschaftswunders aber nach der Lehre in besser bezahlte Berufe ab. Die beiden Unternehmer besserten sich ihre Einkünfte auf durch den Verkauf von Rasiercreme und Rasierklingen, Seiten- oder Steckkämmchen, Haarklemmen und Seifen. Zigaretten, Zigarren, ja sogar Schnupftabak konnte man früher beim Friseur ebenfalls noch kaufen. Sonntags und montags wurden die kranken oder nicht mehr gehfähigen Kunden in deren Wohnungen besucht. Wie ein wandernder Handwerksbursche zog Friseurmeister Helmut Baumunk damals mit seinem Werkzeug unter dem Arm von Haus zu Haus. Heute wird in drei Betrieben gewaschen und getönt, geschnitten und geföhnt. Neben Ingrid und Ernst Mink sind in der Branche Claudia Beutel und Edith Müller tätig. Ihre Arbeit wird sehr stark von Empfehlungen zur Haargestaltung und Pflege bestimmt. Für alle Arbeitsvorgänge gibt es schließlich eine für den Laien kaum zu überschauende Zahl an Präparaten und Pflegesets. Und die Branche hat natürlich längst den Mann als Kunden entdeckt. Zunehmend trägt er zur Umsatzsteigerung der Betriebe bei. Heinz Eichhorn  -  10. Dezember 2010 Repro: Heinz Eichhorn Repro: H. Eichhorn Foto: Heinz Eichhorn Friseurmodell in den 60er Jahren Foto: Heinz Eichhorn Friseurmodell in den 80er Jahren  Dorfgeschichte / Nachkriegszeiten / Übersicht Willkommen