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Dorfgeschichte / Dorfgeschichten aus Nachkriegszeiten
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Als die Reisewelle Deutschland erfasste
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Der Fresswelle folgten die Bekleidungs- und die Einrichtungswelle. Als dann ab den fünfziger Jahren die Auto- und Reisewelle über Deutschland und seine Nachbarstaaten schwappte, hielt es nur noch wenige in den heimischen Gefilden.

Sonne, Wärme und Meer waren jetzt der Wunschtraum vieler Deutschen. Im VW-Käfer, manchmal noch mit geteiltem Heckfenster, ging es über die Alpen Richtung Süden. Im Mini-Kofferraum, auf dem Dachträger und den Rücksitzen waren Zelte und Vorräte eingeklemmt.
Italien gehörte schon viele Jahrhunderte zu den klassischen Reisezielen. Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe reiste von 1786 bis 1788 in das Land seiner Träume, beschrieb es in der „Italienischen Reise“. Obwohl seine Interessen in erster Linie der Antike galten, beeindruckten ihn Land und Leute. Goethe war damals auch schon am Gardasee und hielt sich in Torbole und Malcesine auf.





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Verschönerungsverein Reichenbach 1974 e.V.
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Text: Heinz Eichhorn - 10.12.2011
Gardasee, Lago Maggiore und die Strände um Rimini waren das bevorzugte Reiseziel vieler Lautertaler. Damals wurde auf Komfort ein noch geringeres Augen-
merk gelegt als heute, eine oder zwei Wochen in Strand- nähe im Zelt noch gut verkraftet. Auch weil die „Läwweworscht vum Hoanoam“, der Haltbarkeit wegen eingegraben in den Sand, ein wenig das Heimweh vergessen ließ.
Italien, das heute bis zu 43 Millionen Touristen jährlich begrüßen darf, fixierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg immer stärker auf den Fremdenverkehr. Touristische Leuchttürme waren Florenz, Mailand, Verona, natürlich Venedig, Pisa und Rom. Und die Küstengebiete am Ligurischen und Adriatischen Meer. Dort gab es in den ersten Nachkriegsjahren noch keinen Regelungsbedarf im sogenannten „Handtuchkrieg“. Heute ist es verboten, Plätze am Strand zu reservieren, ohne sie auch zu nutzen. Verstöße dagegen können mit einer Geldstrafe geahndet werden.
Den Einzelfahrten nach Italien folgte in den sechziger Jahren der Massentourismus, bevorzugt angeboten durch Neckermann. Gebucht werden konnten die Touren bei den unterschiedlichsten Vermittlern. So am Kiosk am Bensheimer Bahnhof, an dem ansonsten meistens Zeitungen, Tabakwaren, Alkoholika, Mohrenköpfe und „Nappo“ gehandelt wurden. Für 346 Mark gab es hier eine Reise der Österreichischen Verkehrsbetriebe für zwei Personen und zwei Wochen nach Altenmarkt zu kaufen. Bei Vollpension und Zimmer mit Dusche und Toilette über dem Flur.
Doch unsere südlichen Nachbarn haben schnell gelernt und nicht nur die Preise angezogen, sondern auch die Qualität verbessert. Die Standards der fünfziger und sechziger Jahre wären heute auch nicht mehr zumutbar. Aber in den ersten Jahren der deutschen Reisewelle war halt alles neu, interessant. Um dieses sehen und erleben zu können, nahmen Urlauber fast alles in Kauf.




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Inge und Anny aus Reichenbach während eines Italienurlaubes
(unb. Jahr u. unb. Fotograf)
Repro: H. Eichhorn
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