Willkommen in Reichenbach / Odenwald
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Dorfgeschichte / Dorfgeschichten aus Nachkriegszeiten
Wein, an der Hanglage Borstein
Weil er darum gebeten wurde, probierte er es halt mal aus. Und das Ergebnis, die Größe und Süße seiner Weintrauben verschlugen Dieter Oster fast die Sprache. Was er in der Bangertsgasse erntete, ist nicht nur außergewöhnlich, sondern lässt auch Träume von einem „Weinberg am Borstein“ reifen.
Text Heinz Eichhorn - 01.12.2011
Verschönerungsverein Reichenbach 1974 e.V.
Vor 400 Jahren wurde schon einmal Wein in Reichenbach angebaut. Pfarrer Martin Walther hat dies in seiner Chronik vielfach für die Nachwelt festgehalten. Und herleiten lässt sich dies auch aus so manchen Flurbezeichnungen im Tal, wie beispielsweise „Wingertsberg“, den es in Elmshausen und auf der heutigen „Insel“ gibt. Die Qualität der Weine scheint den Anforderungen aber nicht entsprochen zu haben. Die Grenze des Weinanbau- gebietes Bergstraße liegt im Lautertal beim Herrnwingert in Schönberg mit einer bestockten Rebfläche von elf Hektar und angebautem Riesling, Weißburgunder und Müller-Thurgau.
Dies könnte sich ändern. Mit dem Klimawandel häufen sich die Rekordernten, neue Rebsorten sind erfolgreich, inzwischen bekommen sogar deutsche Rotweine Spitzennoten. Der Hauptgrund: das „Weinbau-Fenster“ verschiebt sich klimabedingt nach Norden.
Wein gedeiht in einem relativ engen Bereich mit gemäßigtem Klima. In Europa traditionell zwischen dem 30. und dem 50. Breitengrad. Weiter südlich ist es zu heiß, weiter nördlich war es bisher noch zu kalt.
Mit dem Verschieben des „Weinbau-Fensters“ um rund zehn Grad verliert Spanien fast 30 Prozent seiner Anbaufläche, Italien 22 und Portugal gar 36. Jetzt laufen dagegen Anbau- versuche an der Ostsee und in England gelingt weit mehr als eine „Essigernte“. Klimaforscher und viele Winzer sind sich einig: Das nutzbare Weinanbaugebiet wandert nach Norden.
Doch ein guter Wein braucht mehr als Sonne. So sind nicht alle Böden geeignet, mal scheitert der Anbau an fehlenden,
mal an zu üppigen Niederschlägen und die Zuwanderung von Parasiten könnte sich auch als Problem erweisen.
Gute Bedingungen sind oberhalb von Bangertsgasse, Brücken- berg und Langenmarkstein allemal vorhanden: Geschützte sonnige Südlage und Granitverwitterungsboden. Ob dies zusammen mit dem Klimawandel für eine neue Lage im Bergsträßer Weinanbaugebiet ausreicht, müsste von den Grundstückseigentümern halt mal probiert werden. Dieter Oster möchte es eher nicht weiter versuchen, ihm reichen seine Hühner und Schafe als landwirtschaftliches Betätigungsfeld derzeit noch aus.
Stolz ist er allerdings auf seinen Sieg beim „Winzer- Wettbewerb“ in der APEG. Der Verschwisterungsverein bekam die Rebstöcke als Gastgeschenk aus Jarnac. Hobby-Winzer Uwe Füchtenkordt pflanzte auf Wunsch der Gäste einige am Europaplatz ein, Dieter Oster welche vor seinem Haus. Obwohl auch die Trauben im Oberdorf gut reiften, wurden sie von denen in der Bangertsgasse deutlich übertroffen. Nicht nur das Klima, sondern auch die Lage und die Bodenbeschaffenheit beeinflussen halt eine Traubenernte.
Foto: Heinz Eichhorn - 05.10.2011