Willkommen in Reichenbach / Odenwald
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Dorfgeschichte / Dorfgeschichten aus Nachkriegszeiten
Mode in den 70-er Jahren
Der „Mini“-Revolution folgte die Schlaghose
Jahrhundertelang war das Tragen von Hosen für europäische und amerikanische Frauen tabu. Doch mit Beginn der 1970-er Jahre setzten die „Schlaghosen“ auch im Lautertal zum Siegeszug an. Jetzt wollen die
Reichenbacher Vogelschützer
bei ihrem Familienabend die
„Frauenhosen-Revolution“
dieser Zeit in den
Mittelpunkt stellen.
Ähnlich angemacht wurden Anfang der 70-er Jahre die Frauen, die sich als erste den „Schlaghosen“ ver- schworen hatten. In der Modeszene galten diese Hosen als Symbol der Hippie-Bewegung.
Die meisten Schlaghosen-Besitzerinnen hatten ihre erste öffentliche „Anmache“ schon hinter sich. Viele hatten es gewagt, in den Jahren davor einen Minirock anzuziehen. Der sehr kurze Rock, der mindestens zehn Zentimeter über dem Knie endet, prägte die Mode der 60-er und die ersten der 70-er Jahre. Der als skandalös eingestufte Rock wurde teils als Provokation, teils als Respektlosigkeit empfunden. Besonders dann, als bei höchstmöglicher Saumhöhe die Höschen zum öffentlich sichtbaren Bestandteil der Mode wurden. Tatsächlich brachte der Mini-Rock jedoch ein neues Selbstbe- wusstsein der Frau zum Ausdruck.
Heinz Eichhorn - 31.10.2011
Verschönerungsverein Reichenbach 1974 e.V.
„Die Hose ist ein Kleidungsstück, das zur Verhüllung und Wärmung von Gesäß, Geschlechtsteilen und Beinen dient. Es ist neben dem Kleid und dem Rock ein Beinkleid“, heißt es steif in Wikipedia. Doch die praktische Seite der Hose durften die Frauen früher nicht nutzen. Sie quälten sich in wallenden, langen Röcken, die noch die Knöchel bedeckten, auf dem Feld und im Stall. Frauen mussten damals Röcke tragen, weil dies anständig und „sittlich“ war. Die Herren hatten es so befohlen.
Tabubrüche von Filmschauspielerinnen oder während der beiden Weltkriege folgte nach 1945 wieder der Rockzwang. Noch 1966 wurde der Sängerin Esther Ofarim der Zutritt zur Bar des Hamburger „Atlantic- Hotels“ im Hosenanzug verwehrt. In Internationalen Luxushotels galt das Hosenverbot für Frauen noch in den 1970-er Jahren. Der damalige CSU-Bundestags- vizepräsident Richard Jäger drohte 1970, er werde jede Abgeordnete, die es wagen sollte, in Hosen zur Plenarsitzung zu erscheinen, aus dem Saal weisen.
Der „Mini“-Revolution folgte die große mit den Hosen für die Frauen. Unten weit und oben eng, wie der Oberteil der Hose, war auch die übrige Kleidung. Anliegende Rollkragenpullover, enge Pollunder, Schuhlöffel- hemden, eng geschnittene Jacken und globige Schuhe. Die Brillengläser waren groß und rund, die Haare meistens lang. Wer aber berufliche Rücksichten nehmen musste, tat gut daran, eine gemäßigte Länge zu wählen.
Die Farbzusammenstellungen waren aus heutiger Sicht exotisch. Mit dem Aufkommen des Farbfernsehens wurde die Kleidung gnadenlos bunt. Regeln gab es dafür so gut wie keine. Die aufkommenden Freiheiten, beispielsweise im Sexualleben, übertrugen sich auf alle Lebensbereiche. Nach dem Zwang und der Enge der sechziger Jahre genossen die Menschen diese Freiheiten insbesondere in der Mode.
Der Familientag der Vogelschützer findet am Samstag, 12. November, ab 20.00 Uhr, im Gasthaus „Zur Traube“ statt. Udo Gehbauer und Jutta Hornung werden die Besucher mit Bildern, Nachrichten und Geschichten in die siebziger Jahre entführen. Beide würden sich freuen, wenn möglichst viele auch das Outfit dieser Zeit tragen.