Die Reichenbacher Synagoge in der Bangertsgasse wurde in der „Reichspogromnacht“ 1938 nicht zerstört. In Reichenbach und im Nachbardorf Elmshausen war in den Jahren zuvor die Zahl der Juden stark zurück gegangen, so dass sich keine zehn Männer mehr für den Gottesdienst fanden. Die Kommune kaufte das Haus im Sommer 1938 und vermietete es als Wohnung.

Wohl aus Heidelberg oder Ladenburg wanderte der erste Reichenbacher Jude, Elias Oppenheimer, zu. Er wurde 1747 registriert. Bis 1814 erhöhte sich die Anzahl der Familien auf zehn (Löw, Marx, Mayer, Oppenheimer, Schack). 1846 wurden 17 Familienväter registriert.

Die jüdische Gemeinde war mindestens seit 1833 selbständig. Zum Bau einer eigenen Synagoge kam es aber wohl erst 1852. In diesem Jahr wurde das Gebäude mit 3.000 Gulden brandversichert. Ein eigener Judenlehrer ist schon 1842 nachzuweisen, er hieß Emanuel David. Beerdigt wurden die Reichenbacher und Elmshäuser Juden auf dem Friedhof in Alsbach, der 1616 eingerichtet wurde und der zuletzt 30 Gemeinden als Grabstätte diente.

Bekannteste Reichenbacher Juden waren Nathan und Eduard Oppenheimer.
Nathan (1797 – 1865) war mit Fanny Heidenheimer aus Berlichingen verheiratet. Ihr Sohn Eduard (1841 – 1924) heiratete 1864 in Friedberg Nanny Hirschhorn. Aus der Ehe ging Ernest Oppenheimer (1880 – 1957) hervor, der als „südafrikanischer Diamantenkaiser“ weltbekannt wurde.

Die Zahl der Juden in Reichenbach erreichte um 1850 mit 85 ihren Höhepunkt, um dann bis 1933 auf 34 Personen zurückzugehen. Durch Umzüge wurden in den Folgejahren insgesamt 43 Juden registriert. Ein Großteil von ihnen wanderte rechtzeitig vor dem Holocaust aus, so Ida Liebster, Karoline, Ludwig, Leo und Siegfried Marx, Simon, Emma, Theodor, Thekla, Gertrude und Berthold Mayer, Gustav, Bertha, Irene, Max, Nathan, Lilli und Selma Oppenheimer (alle USA), Johanna Liebster (Argentinien), Edmund, Lina und Hertha Marx (Australien), sowie Emma und Ludwig Mayer, Auguste und Markus Salomon nach England.

Während einige Schicksale ungeklärt blieben, kamen sieben Reichenbacher Juden in Konzentrationslagern um. Als einziger überlebte Max Liebster (geboren 1915 in Reichenbach). 2004 wurde er als „Anerkennung für seine ausdauernde Aufklärungs- und Friedensarbeit gegen das Vergessen und für die uneingeschränkte Glaubensfreiheit des einzelnen Menschen“ zum Ehrenbürger der Gemeinde Lautertal ernannt. Liebster lebt in Frankreich und hat ständigen Kontakt in den Odenwald.

Neben der Synagoge in der Bangertsgasse brachte die Gemeinde eine Gedenktafel an. Jährlich finden am 9. November Gedenkgottesdienste in der Evangelischen Kirche mit den örtlichen Schulen statt. Nach dem Gottesdienst ziehen die Besucher in einer Lichterkette zur Gedenktafel. Dort legen Bürgermeister Kaltwasser und Gemeindevorsteherin Adam einen Kranz nieder.
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Geschichte und Geschichten aus Reichenbach
1.500 Synagogen in Deutschland sollen in zwei Bildbänden dar- gestellt werden, darunter auch die ehemalige Synagoge in der Bangertsgasse in Reichenbach. Zur Ermittlung der Daten und Hintergründe wandte sich die Aschkenaz-Synagogue Memorial in Jerusalem an Bürgermeister Jürgen Kaltwasser.

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Die Synagoge in Reichenbach
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Dieser teilte dem Direktor des Jerusalemer Instituts, Professor Dr. Meir Schwarz, mit, dass die Gemeinde gerne bereit sei, ihm die Daten zu liefern.
Ermittelt worden seien diese weitgehend durch den leider verstorbenen Heimat- forscher Rudolf Kunz (Alsbach). Im Reichenbacher Heimatbuch aus 1987 werde darüber auf gleich neun Seiten berichtet.
Heinz Eichhorn - Mai 2008

Quelle:

Text und Foto: Reichenbacher Heimatbuch, 2. Auflage 1987